La Chanson en bref
Das Französische Chanson hat eine lange Tradition. Die eigentliche Bezeichnung La Chanson française wird jedoch erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts gebräuchlich. Aber dazu später mehr.
Ein erstes beeindruckendes Beispiel episch-musikalischer Gestaltung ist das Rolandslied (La Chanson de Roland), das gegen Ende des 11. Jahrhunderts verfasst wurde. Es greift den historischen Fakt vom Kriegszug von Karl dem Großen auf, der im Jahre 778 gegen die islamischen Sarazenen (Die Heiden) kämpfte, die zu Beginn des 8. Jahrhunderts von Nordafrika nach Spanien und Mitteleuropa expandiert waren und die er zurückdrängen wollte. Im Verlauf dieses Kriegszuges wird Roland in einem Hinterhalt ermordet. Inwieweit dieses lange Heldenepos tatsächlich als Gesang vorgetragen wurde, bleibt strittig.
Die provenzalischen Troubadours waren höfische Dichter, Komponisten und Sänger, die im 12. und 13. Jahrhundert in Südfrankreich meist in okzitanischer Sprache die Freuden und Leiden der Liebe, des höfischen Lebens sowie der ritterlichen Stärke und Ehre besangen.
Dichter wie Rutebeuf (2. Hälfte 13. Jh.) oder François Villon (2. Hälfte 15. Jh.) haben zwar eine Reihe literarischer Texte hinterlassen, jedoch keine singbaren Chansons. Dennoch inspirierten sie viele Liedermacher des 20. Jahrhunderts über sie zu singen (vgl. Pauvre Rutebeuf von Léo Ferré, 1956, La Ballade des dames du temps jadis von Georges Brassens).
Pierre de Ronsard war ein Schriftsteller und Poet der höfischen Literatur aus der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts. Die große Bandbreite seiner Schriften beinhaltet neben Oden, sprachphilosophischen und politisch orientierten Werken auch zahlreiche Gedichtbände, die das Thema Liebe verherrlichen (vgl. Quand au temple nous serons).
Neben der höfischen Kultur des Chansons ist mindestens ab dem 17. Jahrhundert das volkstümliche Liedgut zu nennen - einerseits repräsentiert durch Lieder, die als Grundlage für Tänze dienen (Man denke an die bekannten Tänze aus der Bretagne oder dem Burgund), Andererseits haben sich in Frankreich besondere Liedgattungen heraus gebildet, die auf geographischen und sozialen Gegebenheiten basieren. Zu erwähnen wären hier die Chants de marins, die sich mit den langen Küstenregionen und der damit verbundenen Seefahrt erklären. Gesungen wurden sie weniger im Hafen, sondern eher als Taktgeber für den Arbeitsrhythmus während des Aufenthalts auf dem Meer.
Eine weitreichende Gattung ist auch La Chanson de malmarié(e). Sie erzählen die immer wieder ähnliche Geschichte von Frauen, die - ob freiwillig oder gezwungen - einen Mann geheiratet haben, der alt und gebrechlich, eifersüchtig, impotent oder ein armer Teufel ist, der sich mit anderen Frauen einlässt oder einfach nur keine Zeit für die eigene hat. Die Variante aus der männlichen Sicht ist deutlich weniger vertreten. Diese Lieder waren vorwiegend dem volkstümlichen Bereich vorbehalten und wurden auf Marktplätzen und dörflichen Festen gesungen - häufig auch als Begleitung zum Tanz.
Die Chants enfantins lassen sich bis mindestens in die Zeit der Renaissance zurück verfolgen. Das wohl bekannteste Kinderlied Sur le pont d'Avignon entstand im 16. Jahrhundert (Pierre Certon ?) und trug ursprünglich den Titel Sous [Sus] le pont d'Avignon (Auf Brücken wurde nicht getanzt, dazu waren sie viel zu schmal). Die heute gesungene Fassung mit Titeländerung stammt aus dem 19.
Jahrhundert für eine Oper von Adolphe Adam (L'Auberge Pleine (1853)). Viele Kinderlieder und Comptines (Zählreime) gehen auf das 19. Jahrhundert zurück, da in dieser Zeit das Kind in seiner Eigenständigkeit und Persönlichkeit in den Fokus rückte.
Die Chants révolutionnaires et Chants de résistance stehen im engen Zusammen mit den Revolutionsphasen im 18. und 19. Jahrhundert. Diese Lieder laden von ihren Texten und v.a. ihren Rhythmen zum gemeinsamen Handeln ein - meist gegen die Obrigkeiten (vgl. Ah, ça ira oder La Marseillaise). Neben den politisch-kämpferischen Liedern prangern zahlreiche sozial-engagierte Lieder im 19. Jahrhundert die Misere des neu entstandenen Proletariats an (vgl. Les canuts).
Wir sehen, dass im 19. Jahrhundert sich die musikalische Landschaft in Frankreich sehr vielfältig darstellt, worin sich auch die politische und soziale Situation des Landes abbildet. Andererseits sind junge Autoren wie Verlaine und Rimbaud bedeutende Dichter, deren Texte sich dankbar in Musik umsetzen ließen. Für diese Mise en musique stehen Generationen später vorwiegend Interpreten wie Léo Ferré, Jean Ferrat und Georges Brassens.
Die großen Sänger wie Maurice Chevalier oder Charles Trenet begründeten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts den Ruhm dessen, was sich im weiteren Verlauf als La Chanson Française etablieren wird und dessen Bandbreite sich ständig derart erweitern wird, dass hier nicht alle Komponisten und Interpreten aufgezählt werden können. Begehrt sowie lieb und teuer waren den Chansonniers die bekannten Veranstaltungshallen wie das Olympia oder Bobino in Paris
Erinnert werden soll dennoch an einige Sängerinnen und Sänger, die in den 1950er-Jahren im Intellektuellenmilieu des Rive Gauche in Paris zuhause waren. Unter dem Einfluss des Zweiten Weltkriegs bzw. des Vietnamkriegs versuchten sie mit ihrem Schaffen, die gesellschaftlichen Strömungen der 60er Jahre zu beeinflussen. Sänger wie Boris Vian (vgl. Le déserteur), Georges Brassens, Barbara (vgl. Göttingen) oder Juliette Gréco sind wohl die bekanntesten der musikalischen linksliberalen Vertreter. Auch das seit 1930 jährlich stattfindende Fest der ursprünglich kommunistisch orientierten, später linken Zeitung 'L'Humanité' ist beliebter Treffpunkt der Chanteurs engagés. (Die Kommunistische Partei war in den 50er Jahren eine bedeutende Volkspartei und erreichte bei den Wahlen damals deutlich über 20 % der Stimmen.). Hugues Auffray (1966, 1969), Gilbert Bécaud (1966), Jacques Brel, Maxime Le Forestier (1974, 1976, 1978, 1983, 1996, 2009), Félix Leclerc (1977), Johnny Hallyday, Charles Trenet (1938, 1965, 1979) und viele internationale Stars waren wiederholt Gäste der Fête de l'Humanité.
Vergessen werden darf im Zusammenhang mit dem Französischen Chanson auf keinen Fall die Kategorie der Chansons à répondre, bei denen einzelne Textpassagen von einem Vorsänger vorgetragen und dann von den Anwesenden gemeinsam wiederholt werden. Diese traditionelle Form des gemeinsamen Singens hat sich stark in Kanada und der Musique Cajun (Cajun-Musik) erhalten. Liegt es daran, dass das gemeinsame Singen französischer Musik das 'Wir-Gefühl' der Communauté Française stärkt? Aber auch in Frankreich ist diese Liedform häufig zu finden. Denken wir an viele Kinderlieder (vgl. Jean Petit qui danse) oder an das bestens bekannte Chevaliers de la table ronde oder Sur le pont de Nantes. Zu einem großen Teil werden die Chansons à répondre auch als Begleitung von gemeinsamen Tänzen gesungen (vgl. C'est sur le pont de Lyon als Mazurka).
Und hier soll der kleine beispielhafte Überblick über die verschiedenen Aspekte der Chants und des Chanson in Frankreich enden. Sicher, es gibt viele interessante aktuelle Sängerinnen und Sänger (vgl. ZAZ oder ein ganz neues Talent: Leila Huissoud). Ich wollte mich jedoch in diesem Zusammenhang beschränken auf die Strömungen, aus denen ich die Lieder für meine musikalischen Veranstaltungen gezogen habe.